Erzählungen aus der „Guten, alten  Zeit“ 

von Ulrich Baumann.    


                                                                                   

                                              

Ich würde mich über eine Reaktion sehr freuen.
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                                                                                                                        aktualisiert am   26.08.2007

Erste Autos    Erste Wasserleitung  Feuerbekämpfung    Die Schmiede im Bungerloch       Das elektrische Licht     Brennholz       Das Brunnenmannle     Landwirtschaft   Bergbau    Textilfabrik   Kirche und Pfarrer    Schwabenkinder    Erste Fahrräder   So manch kleine andere Begebenheit   Postautos   Schule  Einkaufen   Bekleidung       Hebamme    Handwerk   Die Tischlerei meines Vaters     Die Firmung    Das Wikingerschiff    Brauerei Starkenberg     Der 2. Weltkrieg     Die Verwundung   Das Sammellager   Heimkehr     Weiteres Leben nach der Heimkehr aus  dem II. Weltkrieg 1945


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Eigentlich wollte ich ja nur über das Leben meines Großvaters Otto Sturm und über die Zeit in der er lebte, schreiben. Aber da noch viele Fragen auftauchten, entschloss ich, weiter auszuholen und noch einige interessante Situationen, bemerkenswerte Begebenheiten aus meiner Kindheit und aus der Zeit meiner Eltern und Großeltern weiterzuerzählen. 
Ich wurde 1927 in Tarrenz bei Imst geboren und möchte meine Erinnerungen gerne an meine Nachkommen und an die jüngeren Generationen weitergeben.

     

         Tarrenz um 1900


Der Dorfplatz, Blick Richtung Nordost um ca. 1929 mit einem der ersten Lastwagen von Leo Wolf.

 
Gasthof Lamm um ca. 1912.
Angeblich handelt es sich hier um eine Salzlieferung über  den Fernpass nach Niederbayern

Erste Autos


Die Dorfstraße 1927;  alle Kinder sind barfuß, rechts Gasthof Sonne,
auch eines der ersten Autos ist zu sehen.

Der Spruch „gute, alte Zeit“ konnte nur von wenigen, alten Leuten stammen, die damals an der Straße wohnten, als nur einmal am Tag die Postkutsche und noch ein paar andere Fuhrwerke durch das kleine Dorf Tarrenz durchfuhren.

Aber ab etwa 1915 war es mit der ruhigen Zeit für die Straßenangrenzer vorbei. Die ersten Autos, zwar selten, fuhren mit Lärm, Gestank und staubaufwirbelnd durch die Dorfstraße und scheuchten die Leute und die spielenden Kinder von der damaligen „Fußgängerzone“. Fäuste zeigend schimpften manche den Fahrzeugen hinterher. So erzählte es meine Mutter. Erst 1929 wurde die Straße durch das Dorf asphaltiert.

Den ersten PKW in Tarrenz fuhr der Baumeister Robert Wörle 1938. Bei ihm hatte ich 1942 als Maurerlehrling als 15 jähriger Bursche angefangen. Seine Stieftochter Maria hatte als erste Frau den Führerschein im Dorf. Nebenbei sei angeführt, dass Johann Kropf, Exbürgermeister, den  ersten Traktor im Jahre 1938 im Dorf  fuhr.

Erste Wasserleitung                         

Das Wasser wurde von einer Tränke aus dem Bach geholt. Die Tränke war eine schräge Rampe zum Bach. Hier wurde auch das Vieh zum Tränken hingeführt. Vor 1911 gab es im Dorf auch einige Wasserentnahmestellen, die über kleine, teils offene Kanäle und Rinnen mit Wasser aus dem Bach versorgt wurden. Dass es dabei oft zu Wasserverschmutzungen kam, liegt auf der Hand.
Im Ortsteil Grießegg wurde der Brunnen über eine "Deichlleitung" mit einer kleinen  Quelle verbunden. Eine solche Leitung bestand aus 20 -30cm dicken, ca. 3 m langen Baumstämmen. Diese wurden mit einem extra langen Spezialbohrer durchbohrt. Die mit ca. 5 cm Durchmesser durchhöhlten Stämme wurden an den Enden mit einem kleinen Stück Eisenrohr aneinander geschlossen und in geringer Tiefe vergraben. Durch diese Holzleitung konnte das Wasser nicht abfrieren. Das war nur eine Rinn- und keine Druckleitung. 
Einen  Teil einer solchen Holzwasserleitung mit "Deichelbohrer" sind im Tarrenzer Heimatmuseum zu besichtigen.
Wasser aus der Leitung im Haus zu haben, ersparte natürlich viel Wasserschlepperei für Stall und Küche. Dieser Fortschritt verlangte aber  vorher enorme finanzielle und körperliche Anstrengung. Zum Wasserleitungsbau im Jahre 1911- 1912 mussten alle Männer im Dorf Fronschichten leisten, wer das nicht konnte, musste bezahlen. Zur Verlegung der neuen großen Hochdruckleitung im ganzen Dorf  hinein ins Bungerloch und hinauf bis zum Wasserreservoir musste ein bis zu 1,70 m  tiefer Graben ausgeschaufelt werden. Da kamen manchmal sehr große Steine zum Vorschein. Diese Hindernisse wurden mit vereinten Kräften herausgehoben oder mit Seilen herausgezogen. Für noch größere Brocken wurde seitlich eine Nische gegraben, in die die Steine dann hineingedrückt wurden. Durch solche Aktionen und immer wieder einbrechende Seitenwände, waren die Grabungsarbeiten höchst gefährlich und sehr arbeitsintensiv. Das erzählte mir früher schon ein älterer Mann, der bei diesen Arbeiten selbst dabei war. 

Viele Leute konnten sich die kleine Verlängerung der Wasserleitung zu ihren Häusern, unter oder durch die Mauern, erst gar nicht leisten. In solchen Häusern war noch jahrelang das „Plumpsklo“ in der Scheune oder der Stall die Toilette. Die Wäsche musste mit Aschenlauge und einem Waschbrett im Waschzuber gewaschen werden.  Aber nicht alle Häuser mit einer Wasserleitung hatten schon einen Abfluss für das Abwasser. Das Abwaschwasser aus der Küche (natürlich noch ohne Spülmittel) wurde manchmal auch mit etwas Salz und Futtermehl aufgewertet und als Trankl für die Rinder und Schweine wiederverwertet. 

Erst im Laufe der Jahre  wurde in einigen Häusern ein WC und ein Bad installiert. Dadurch wurde eine Klär – und Sickergrube notwendig. Die Klärgrube musste von Zeit zu Zeit ausgepumpt werden, denn eine Kanalisation war noch nicht vorhanden. Die gesamte Dorfkanalisation, die 1958 begonnen wurde,   wurde erst mit der Fertigstellung der Kläranlage in Imst abgeschlossen. Aber es gab jetzt im Dorf mehrere Brunnen mit sauberem Wasser zu jeder Zeit.

Feuerbekämpfung       

Mit der neuen leistungsstarken Wasserleitung wurden auch die Hydranten gesetzt. Somit wurde die Feuerlöschung wesentlich schneller und wirksamer. Vorher war man von der Motorspritze und einer ergiebigen Wasserentnahmestelle abhängig. Das war übrigens der allererste Motor überhaupt, der im Dorf lief. Auf einem leichteren Wagen wurden die Motorspritze und die dazugehörenden Schläuche verladen. Im Brandfalle mussten die Feuerwehrmänner im Laufschritt den Wagen zu einer Tränke bringen und zur Brandstelle eine Schlauchleitung legen. Nach Strad oder nach Obtarrenz wurden Pferde vor den Feuerwehrwagen gespannt. Es sei schon vorgekommen, dass in anderen Orten bei abgelegenen Höfen, wegen Wassermangels der Inhalt der Jauchengrube zur Brandlöschung hergenommen wurde. In Obtarrenz wurde der Walchenbach zu einem Löschteich gestaut und in Strad hat man eine große Wasserreserve  in der Nähe des Kirchleins unterirdisch angelegt.
Die Geräte der Feuerwehr waren in einem großen Holzschuppen, gegenüber der Keramik Fischer Werkstätte, untergebracht. 

Vor ca. 1900 wurden noch Wassereimer weitergereicht und mit einer Handpumpe konnten nur kleine Brände gelöscht werden. Zusammengebaute Ortsteile, ja ganze Städte brannten nieder. 
So z. B. fiel in Imst im Jahre 1822 von den Kapuzinern bis zur Pfarrkirche hin, alles einem verheerendem Feuersturm zum Opfer "..... Am 7. 5. 1822 brannten in Imst 220 Häuser in 18 Stunden nieder. Nur 14 Häuser wurden verschont." Dies ist in Imst hinter der Johanneskirche bei der alten Feuerwehrhalle auf einer Gedenktafel an der Mauer nachzulesen. Schaut einmal hin! Aus der Geschichte wissen wir, dass auch Weltstädte wie z. B. London 1666 fast zur Gänze durch Feuer vernichtet wurden.

Die Feueralarmsirene war bei uns im Dorf auf einem hohen Baumstamm in der Ecke bei Bargers Brunnen angebracht. Unter einem Dachl war ein Spezialgerät, so eine Art Trompete, mit mehreren Luftdruckflaschen in einem Verschlag verbunden. Durch Auf- und Zudrehen der Ventile wurde der Alarmton reguliert. Die Leistung war beachtlich. Außerdem bliesen noch die Feuerwehrmänner zum Alarm.

 Noch lange in die 40 iger Jahre hinein ging ein Nachtwächter durch das Dorf. Er bekundete den Dienst der Bevölkerung durch Ausrufe, z. B.: „Dar Hommer hat uans gschloge, uans!“ (Der Hammer am Glockenturm hat eins geschlagen!) So konnten die Leute beruhigt weiterschlafen. 

Ab und zu rief der Nachtwächter folgendes Sprüchlein aus:
           " Steht auf ihr Bürger und Bauern, seid munter und wach! 
             Der Tag vertreibt die finstre Nacht!
             Gott lobet unseren Herrn, betet für die armen Seeln!
             Tiats fleißig an sie denken, und ihnen den Ablass schenken!
             Gelobt sei Jesus Christus!"

Die Schmiede im Bungerloch         

Im Ortsteil Bungerloch stand früher eine Schmiede. Aus der hörte man öfters das „Bungern“ (schlagen) der großen Wipphämmer. Der große hatte einen ca. 3m langen Schaft und vorne einen 60 – 80 kg schweren Hammer, der kleinere hatte vorne ein 20 – 30 kg Gewicht.  An einem dicken Baumstamm ( Walze)  waren Zapfen angebracht, die durch das Drehen die Wipphämmer anhoben. Durch das Eigengewicht sausten die Hämmer auf das glühende Eisenstück nieder, um es zu formen. Je nach Bedarf wurde der große oder der kleine Hammer in Betrieb gesetzt. Das geschah durch eine Klappstütze, die den einen oder anderen Hammer am Fallen hinderte. Gesteuert wurde die Geschwindigkeit der Walze und somit die Schlagfolge der Hämmer durch eine Gestängeverbindung zur Wasserrinne. Diese war in Verbindung mit dem Wasserrad. Der Name „Bungerloch“ dürfte wohl wegen dieser „Bungerhämmer“ der alten Schmiede entstanden sein.

Ich schaute mir als 10 jähriger Bub diesen Mechanismus genau an und es war für mich ein faszinierendes Schauspiel. Einmal sagte der Schmiedemeister zu mir, ich sollte mich auf den schlagenden Hammer draufsetzen, dann bekäme ich einen „Zepf“. Das war eine 10 - Groschenmünze im Wert einer kleinen Schokolade. Irritiert durch diese Verlockung sagte ich, er solle sich selber zuerst draufsetzen. Als er dann nur lachte, wusste ich, dass es nur ein Scherz war.

Das elektrische Licht   

   Um 1908 gab es in unserem Dorf den ersten elektrischen Strom. Der wurde mit  zwei kleinen Anlagen, die mit Wasserkraft aus dem Dorfbach betrieben wurde, erzeugt. Das eine Kraftwerkl war direkt am Bach gegenüber der Guemsäge und das andere im Keller mitsamt einer kleinen Mühle im untersten Haus des Dorfes untergebracht.
Später betrieb unser Dorfbach 3 kleine Kraftwerke, 2 Sägen, 3 Mühlen, 2 Schmieden und eine Wagnerei mit Wasserkraft.

Meine Mutter war 16 Jahre alt, als 1912 das erste elektrische Licht in der Stube von Otto Sturm eingeschaltet wurde. Alle Nachbarn sind zu diesem Ereignis gekommen. Mit Neugierde, Erstaunen und Freude drehten sie alle an dem „Zauberschalter“. Sie konnten es kaum erwarten, bis auch bei ihnen dieses „Wunderlicht“ installiert wurde.  Durch den elektrischen Strom konnten erstmals nur Küche und Stube mit einer 15 oder 25 Watt Lampe erleuchtet werden. Um Strom zu sparen, wurde manchmal an den Zwischenwänden zweier Kammern eine Maueröffnung gemacht, so konnte eine Lampe gleich zwei Räume erhellen. Es genügte auch pro Haus nur eine Sicherung. Ein Elektrobügeleisen war schon Luxus und es sollte nur bei Tag verwendet werden. Denn am Abend ging die Leuchtkraft der Lampen wegen Überlastung durch ein Bügeleisen rasch zurück. Vorher  wurde ein schweres Bügeleisen mit Holzkohle erhitzt.  

Die Stromleitungen waren nur auf der Mauer verlegt und mit einer dünnen Stoffhülle isoliert. Beim Ausmalen der Räume oder Hausgänge wurden die Leitungen feucht und somit elektrisierte oder kitzelte die ganze Wand. Das passierte auch bei uns im Haus bis 1943. Als 16- jähriger Bursche verlegte ich neue Leitungen in Rohre und unter Putz. Stärkeren Strom für Licht und Motoren gab es erst nach dem Netzanschluss an die TIWAG (Tiroler Wasserkraftwerke) 1930.

1942  war ich als Maurerlehrling bei Baumeister Wörle beschäftigt. Alle mussten damals pro Tag 10 Stunden arbeiten und  das 5 Mal in der   Woche. Ergibt 50 Wochenstunden. Die Brotzeit dauerte ¼  Stunde und diese musste zu Mittag eingearbeitet werden. Es wurden nicht 10 Stunden, sondern nur 9 Stunden pro Tag bezahlt, mit der einen Stunde wurden Krankenkassa, Steuer und Versicherung bezahlt.

Der Stundenlohn für mich als Lehrling war  DM 0,40 somit war der Tagesverdienst DM 3,60 –  ein Sack Zement kostete DM 5.-- .
Der Stundenlohn für einen Hilfsarbeiter war DM 0,60 und für einen Mauerer   DM 0.90.

Brennholz        

Die Arbeiten im Wald zur Brennholzbeschaffung waren  besonders hart, anstrengend, gefährlich und aufwändig. Zuerst musste man zu Fuß manchmal bis zu 2 Stunden mit Wiegesäge, Hacken und Zappin beladen, zum Waldteil gehen. Die Bäume, im oft schwerzugänglichen Gelände, mussten mit der Handsäge gefällt, die Äste abgehackt und mit einem Ochsenkarren zu Tal gebracht werden.

Für das Warmwasser, zum Kochen, Backen, Waschen und für die Wärme im Haus wurde ausschließlich Holz verwendet. Für den Küchenherd wurde das Holz in ca. 30 cm lange Stücke von Hand abgesägt, mit der Hacke gespalten und zum Trocknen aufgestapelt. Der Kachelofen wurde fast nur mit Stroh gebündelten, trockenen Ästen  „Schöible“ befeuert. In den meisten  Häusern war in der Stube neben der Kachelofenbank in der Mauer eine Nische mit Rauchabzug zum Kamin. In den langen Winterabenden brannte darin das heimelige, lichtspendende, offene Kienfeuer. Kienspäne waren sehr harzhältige Holzstäbe. Wir Buben kletterten um den Kachelofen, mein Vater fachsimpelte mit seinem Freund Neumair, einem Fotografen aus Imst, der öfter mit seinem Motorrad zu uns auf Besuch kam. Mein Vater war damals einer der ersten Hobbyfotografen in Tarrenz. Meine Mutter ließ das Spinnrad schnurren um Wollfäden zu spinnen ... so verliefen manche Winterabende. In dieser Kienfeuernische ist heute das Telefon installiert.

Im Winter war es nur in der Küche, in der Stube und im Stall warm. Deshalb wurde auch  in der Küche oder im Stall in einem Holzzuber gebadet. Ich schlief mit meinen zwei Brüdern in einem ungeheizten Raum. Die äußeren Steinmauern waren unisoliert. Darauf glänzten im Winter oft dicke Eiskristalle. Auch in der Kammer, in der meine lb. Frau als Mädchen mit ihren 3 Schwestern schlief, war der Eisschnee an der Außenwand so dick, dass es beim Abschaben ein Schaffel voll gab.

Als Bett- und Fußwärmer diente ein Ziegelstein, der tagsüber im Backrohr aufgewärmt und abends mit Fetzen umwickelt mit ins Bett genommen wurde. Wir Buben verwendeten auch mit heißem Wasser gefüllte Flaschen mit Kippverschluss. Einmal verfing sich im Schlaf einer meiner Zehen im Drahtverschluss einer Wasserflasche. So träumte ich, ich wäre im Wald in eine Fuchsfalle getappt und wachte erschrocken auf.

Das Brunnenmannle         

Mein Opa Otto Sturm war Sensenschmied. Er ging öfters mit seinen gefertigten Sensen in einem Rückkorb ins Pitztal, um diese den Bauern zum Kauf anzubieten. Ein armer Bauer in Leins jammerte, dass er wohl eine Sense bräuchte aber er kein Geld habe, diese zu bezahlen. Da  jedoch der Bauer eine Hand zum Schnitzen hatte und zufällig eine kleine Holzfigur, ein Bauernmannle, in seiner kleinen Werkstatt stand, bot er dieses kleine Kunstwerk als Gegenleistung für die Sense an. Otto tauschte gleich zwei Sensen für das kleine, geschnitztes Bauernmannle ein, mit einer Zipfelmütze und mit einer Kraxe am Rücken und mit einem Stock in der Hand. Und so steht das Holzmannle aus dem Pitztal seit 1912  auf der Brunnensäule, geschmückt mit einem Blumentopf, vor unserem Haus im Kappenzipfl und ist stets ein beliebtes Fotomotiv für die Urlaubsgäste.

 

Landwirtschaft 

Die meisten Leute lebten nur von der Landwirtschaft. Die Bauern mussten die Wiesen mit der Sense von Hand mähen,  das Heu mit Handrechen und Heugabeln bearbeiten. Mit einem Holzwagen, von Kühen oder Ochsen gezogen, wurde das Heu in die Scheune oder in einen Wiesenstadel gebracht. Das Korn mussten die Bauersleute mit der Sichel schneiden und mit dem Dreschflegel dreschen. Je nach Familiengröße wurde wöchentlich oder monatlich Brot im gemauerten Backofen gebacken. Im Winter wurde geschlachtet, danach gab's Frischfleisch. Sonst wurde das Fleisch zu Speck und Hauswürsten verarbeitet und geselcht. Eier wurden in einem Eimer mit gelöschtem Kalk eingelagert.

Die Frauen und Mädchen haben die warme Wollkleidung hergestellt. Die Schafwolle wurde gewaschen, kardatscht, mit dem Spinnrad gesponnen und zu langen Strümpfen, Socken, Handschuhen, Mützen und Pullover verstrickt.

Es gab viele Klein- und Kleinstbauern, die nur 1 –3 Ziegen besaßen. Der Ziegenhirt Franz Neururer sammelt täglich morgens bis zu 100 Ziegen vom Dorf zusammen, trieb sie auf unmähbaren Weideflächen und in den Wald und brachte sie abends zum Melken wieder zu den Bauern zurück. 
Während des Krieges musste jeder Bauer über seinen Viehbestand genaue Angaben machen. Nach der Größe dieses Viehbestandes musste ein entsprechender Teil als Schlachtvieh (Stellfleisch) an die Stadtmetzgereien abgeliefert werden. Diese Angaben wurden öfters von einem Viehkontrolleur überprüft.  Einmal musste meine Mutter dem Kontrolleur aufzählen: "...2 Kühe, 1 Jungtier, 2 Schweine, 9 Hennen, 7 Schafe und sonst nix mehr!" Aber meine kleine Schwester ergänzte noch ganz erfreut : "....und noch zwoa Lample!"  Die hätte meine Mutter  beinahe "vergessen" anzumelden.......        


 Beim "Suren" mit einem Kuhfuhrwerk drunten im Kappenzipfl 1968

Bergbau

Verdienstmöglichkeiten außerhalb des Dorfes gab es für wenige Männer im Bergbau St.Veith im Tarrentonalmgebiet. Dieses Zink- und Bleibergwerk war noch bis 1929 in Betrieb.

Textilfabrik

Eine weitere Arbeitsmöglichkeit für viele Männer und Frauen aus unserem Dorf war die Schindler Textilfabrik in Imst- Brennbichl. Die Leute gingen zu Fuß, Sommer und Winter, jahrzehntelang am Bigerweg zur Fabrik. Nach frischem Schneefall gingen die Männer voraus um für die Frauen mit den langen Röcken den Weg anzutreten. Hosen waren für die Weiblichkeit verpönt.

Kirche und Pfarrer


Das alte Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1.Weltkrieges.

Das „Rodeln“ wurde den röcketragenden  Frauen und Mädchen von den „Geistlichen“ verboten.

Ob die Heuarbeit ausnahmsweise auch am Sonntag erlaubt war, entschied der Herr Pfarrer. Heiratswillige Paare mussten sich früh genug beim Herrn Pfarrer anmelden und dieses Vorhaben wurde dann am Sonntag von der Kanzel aus verkündet. Die Bevölkerung war aufgerufen, eventuelle „Ehehindernisse“ baldigst zu melden. Durch die eingeschränkten Verkehrsverbindungen zu anderen Dörfern war die Gefahr der Verwandtschaftsehen schon gegeben. Auch der Herr Bürgermeister musste zur Heirat seine Einwilligung  geben. „...dass ja nicht etwa zwei heiraten, die nichts haben und nichts können, und deswegen vielleicht später der Gemeinde zur Last fallen.“

 

Schwabenkinder

Unser Dorf war auch ein Notstandsgebiet. So mussten  um die Jahrhundertwende 18./19. Jahrhundert Jahr für Jahr die älteren Kinder aus Tirol, Vorarlberg und aus anderen Gebieten als Knechte und Mägde ins Allgäu. Der Lohn für die Schwerarbeit war das Essen und die Kleidung. Zu Hause hatte man einen Hungrigen weniger an der Schüssel.

Über diese und noch andere Themen wäre in der „Chronik von Tarrenz“ von Walter Schatz nachzulesen. Auf Seite 59 ist auch meine Tochter Helene erwähnt, die sich in ihrer „Hausarbeit“ für die Pädagogische Akademie  mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs im Gurgltal beschäftigte.

Erste Fahrräder

Nun zurück  in die Mitte der 20 iger Jahre. Da gab es die ersten Fahrräder, aber nur für wenige. Mein Vater war einer der Glücklichen. Das Geld verdiente er sich als Tischlergeselle  beim Siber Karl (im Griesegg, letztes Haus). Als er das Radfahren so einigermaßen beherrschte, wollte er es auch gleich der im Nachbarhaus wohnenden Verlobten Antonia, später meine Mutter, beibringen. Nachdem sie einige Fahrübungen mit meinem Vater hinter sich hatte, wollte sie mal alleine weiterüben. Meine Mutter erzählte:.... Aber das war auf dem Herrenrad mit der Stange und mit dem langen Rock nicht so einfach. Das Rad ging ziemlich hin und her. Ein Mann, der zufällig des Weges kam, stellte sich schon mal vorsichtshalber auf die Seite. Aber das Fahrrad zog mich im letzten Moment direkt auf ihn zu. Ich erfasste ihn im Fall und riss ihm die Krawatte über die Schulter. Erschrocken schrie er „ fix sagra, so hat mich noch keine gepackt!“ Meine Mutter, selbst geschockt,  entschuldigte sich und schob das Rad nach Hause. Nach diesem Erlebnis wollte sie nie mehr fahren. Ihre 4 Schwestern bekamen auch kein Fahrrad, denn die Räder waren teuer und Frauen sollten sowieso mit Röcken nicht Rad fahren. 
Wenn ältere Leute jungen Radfahrern ausweichen mussten, schimpften sie:“ ..die kanntes epa it dargia!“

Auch konnten die jungen Leute nicht schwimmen lernen, denn öffentliches Baden gehörte sich einfach nicht und so gab es natürlich auch keine Badekleidung.

Folgende bemerkenswerte Begebenheiten stammen aus Überlieferungen meiner Eltern und Großeltern und aus meinen eigenen Jugenderinnerungen:

Ich war als Bub ein begeisterter Stelzengeher und die Stelzen mussten immer höher werden. Als ich bei etwa 70 cm war, kam  mir die Idee, nun im Bachwasser zu gehen. Der Einstieg bei der Tränke war kein Problem. Ein kleines Stück konnte ich mit Mühe gehen, aber die starke Strömung, die Steine und die Löcher, die man kaum sah, machten meinen Stelzenspaziergang im Bach ein jähes Ende. Ich fiel in den Bach. Den davonschwimmenden  Hölzern barfüßig nachzujagen war schon schwierig, aber ich hab meine Stelzen noch erwischt. Beim Heraussteigen merkte ich, dass ich am Fuß eine stark blutende Wunde hatte. Im Bach waren Glasscherben, in eine solche muss ich anscheinend getreten sein. Trotz dieses Zwischenfalls ließ mich das Stelzengehen nicht mehr los. Ich brauchte noch höhere Latten, die ich an einem alten Maistrockengestänge fand. Die Trittbacken montierte ich so hoch, dass ich über 2 m hoch stand und so konnte ich mir von den Marillenbäumen die schönsten Marillen holen. Mit diesen verlängerten Beinen stelzte ich hinter den Häusern entlang, über die Wiesen hinein bis ins Dorf zum Wörlehaus. An der Balkonbrüstung konnte ich absteigen. Ein andermal, als ich wieder mit meinen langen Stelzen unterwegs war, kam ein Bäckergeselle mit einem Korb voll Brot am Rücken mit seinem Fahrrad daher. Er rief mir zu: " Grätsch deine Stelzen!" und er fuhr zwischen meinen verlängerten Beinen mit seinem Fahrrad durch. Einmal hielt sich meine 3 jährige Schwester unten an den Stelzen fest und ließ nicht mehr los. Da konnte ich das Gleichgewicht nicht mehr halten aber ein kontrollierter 2 m Sprung war gerade noch zu verkraften.

 Es muss zwischen 1914 und 1918 gewesen sein, so erzählte meine Mutter. .....Ich war eine junge Frau, stand vor der Tür mit zurückgestülpten Ärmeln und habe mich mit einem Mann unterhalten. Eine alte ledige Tante kam auf mich zu, riss mir die Ärmel vor, dabei sagte sie barsch:“.. deswegen hört der Krieg it au!“ Da gehört schon Fantasie dazu, solche Aussagen zu hintergründen.

Ein Pfarrer im Lechtal suchte aushilfsweise ein Häuserin. Er schrieb im Brief ...“nur bitte mit langer Ärmelbekleidung ..“ Dieser Wunsch war im kühlen Lechtal leicht erfüllbar.

Pumpers Lisele besaß einen Holzkarren und einen Ochsen und war die Bötin für die Umgebung. Mit diesem Gespann brachte sie regelmäßig verschiedene Bauernprodukte  wie Eier, Speck, gewebte Teppiche, Wolle usw. nach Innsbruck zum Verkaufen. Auf dem Rückweg nahm sie Dinge aus Innsbruck mit, die es im Dorf noch nicht gab, wie Stoffe, Spitzen, Nähzubehör, Gummizüge, Geschirr u.v.a. So eine Tour dauerte oft 10 Tage und länger. Die Frau schlief in ihrem Karren und der Ochse hat sich am Straßenrand selbst versorgt.

Die Oma von Markus Wörle hatte ostseitig ein kleines Geschäft und westseitig  war eine Schusterwerkstätte des Klaus Sailer untergebracht. Drei  Schustergesellen  arbeiteten dort, reparierten und fertigten Schuhe an. Als Bub schaute ich gerne zu. Einer der Gesellen sagte mal zu mir, ich solle ihm den Hammer reichen. Als ich den Stiel anfasste, merkte ich sofort, dass er mit Hühnerdreck eingeschmiert war. Gelächter aller, außer mir. Bis sich der gemeine Schabernack herumgesprochen hatte, fielen noch einige andere darauf herein. So etwas vergisst man sein Leben nie.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war die Post mit nur einem Raum. Hier wurden die paar Telefonverbindungen händisch umgesteckt. 

Im gleichen Haus daneben war auch eine kleine Gastwirtschaft. Hier trafen sich am Sonntag nach der Kirche die Männer zum Neuigkeiten Erzählen, zum Kartenspielen, Rauchen und Trinken. Dieses Gebäude, das die Straße zu sehr verengte, wurde später abgerissen.

Postautos


Das Bild zeigt wohl ein noch etwas "älteres" Postauto.

Meine Mutter erzählte mir, es hätte manche alte Leute gegeben, die in ihrem Leben nie in Innsbruck waren bis es die ersten Postautos gab. Das Postauto gab die Möglichkeit, über das Dorf hinaus das Land zu erkunden.

Ich kam von der Schule. Da stand das Postauto mit einer Leiter hinten drauf. Über diese Leiter konnte man das Dach besteigen und große Pakete und sonstige sperrige Dinge auf dem Dach unter einer Plane transportieren.  Ich sah diese einladende Leiter, stieg auf die erste Sprosse und dachte mir, jetzt fahr ich mit bis zum Mauschl dann werde ich abspringen. Denn öfters hatte ich mich schon problemlos an Pferde- oder Ochsenfuhrwerke hinten angehängt. Bis ich einmal die Peitsche zu spüren bekam. Nun ging's los. Aber diesmal war es ganz anders. Ich hatte die Geschwindigkeit und die Fliehkraft in der Kurve total unterschätzt. So blieb ich in Panik geratend noch verkrampft hängen. In der weiteren Gerade wurde der Bus immer schneller. Ich muss jetzt springen, sonst muss ich noch vom Dollinger oder gar von Nassereith zu Fuß zurück, dachte ich mir. Böses ahnend sprang ich ab. Ein fürchterlicher Sturz, mit mehreren Überschlägen der Straße entlang, war natürlich die Folge. Meine hölzerne Schultasche flog mir einige Male um die Ohren, Prellungen und Hautabschürfungen überall. Ganz benommen musste ich nach Hause humpeln. Im Schrecken rief meine Mutter:“ In Gottswille, i woass mar nimme zhalfe!“ Strafe bekam ich erwartungsgemäß keine mehr. Die Schmerzen, das Brennen beim Ausreiben der Abschürfungen mit Schnaps, waren Strafe genug. Meine Eltern waren selber froh, dass sie mit mir nicht zum Doktor oder gar ins Spital mussten. Das wäre sehr umständlich und teuer gewesen. Das war meine kürzeste und eindrucksvollste Postautofahrt meines Lebens.

 

Schule

Mein Vater hatte für uns 3 Buben eine Schultasche aus Holz gemacht. Es war ein Holzkistchen mit Schulterriemen und einen Lederdeckel zum Zuhängen, passend für unsere Schiefertafel, Griffelschachtel,  Lesebuch, Rechenbuch und unser Schönschreibheft. Ein kleiner Schwamm und ein Wischlappen war mit einer Schnur an der Schiefertafel befestigt und hing baumelnd aus der Schultasche. Andere Kinder hatten diese Sachen in einem Rucksack verstaut. Ob es keine richtigen Schultaschen zu kaufen gab oder ob sie einfach zu teuer waren, kann ich nicht sagen. Ein kleines Tintenfässchen steckte in der Mitte jeder Schulbank. Mit einem Federstiel wurde Schönschreiben geübt.

Die Schulgasse erinnert an das alte Schulhaus. Im alten Schulhaus gab es kein fließendes Wasser. Das Wasser zum Tafelputzen und Händewaschen musste mit einem Krug von einem Brunnen geholt werden. Das Klo war ein „Plumpsklosett“ also eine stinkende, im Winter eiskalte, freie Fall Einrichtung. In jedem Klassenzimmer stand ein eiserner Kohleofen, der in der Nähe extrem heiß war, aber die Plätze hinten im Klassenzimmer kalt ließ. Unser neues Schulhaus in der Trujegasse wurde in den Jahren 1964-1968  erbaut.        

                     

1.Klasse Volksschule 1934 mit Frau Lehrerin Haas  hinten an der Wand,... und  Herrn Kooperator Moritz. 

Erste Bank vorne rechts ist Ulrich.

Hinterste Reihe, der Bub mit Kopfbinde, war mein Bruder Rudi.

Einkaufen

Im Parterre des Kadihauses war ein kleines Geschäft untergebracht. Viele Lebensmittel wie Zucker, Mehl, Salz usw. wurden in Schubladen gelagert. Der Kaufmann steckte eine Papiertüte in einen Ring einer Waage und schüttete mit einem Schäufelchen die gewünschte Menge in die Tüte. Nur die wenigsten Leute konnten bar bezahlen. Da gab es zwei Büchlein. Eines hatte der Kaufmann und eines der Einkäufer. In beiden wurde das Gleiche eingetragen. Erst wenn wieder einmal Geld vorhanden war, konnten die Schulden getilgt werden. An einem Handpumpgerät vor der Tür konnte man Petroleum für die Lampen kaufen. 
Während des Krieges mussten alle Grundnahrungsmittel über eine Lebensmittelpunktekarte gekauft werden. Diese wurden von der Gemeinde verteilt und waren pro Person und Alter äußerst knapp bemessen. Der Kaufmann musste bei jedem Einkauf die entsprechenden Marken von der Karte herunterschneiden, und wenn die Karte fertig war, konnte man auch nichts mehr  kaufen. Die Brotmarken reichten für viele nicht aus, deshalb gab´s oft schon zum Frühstück geröstete Erdäpfel.
Auch für Schuhe, Bekleidung, auch für Nägel usw. musste ein Bezugsschein bei der Gemeinde angefordert werden, um Hamsterkäufe zu verhindern.

Bekleidung

 

 

 

 

 

 

 

 


    
 
Toni, Ulrich und Rudi im feinen   Sonntagsgewand


 

Ulrich und Rudi  bei ihrer Erstkommunion

Mit der Bekleidung für uns Buben war es nicht so tragisch. Wir trugen fast nur selbst Geschneidertes und Gestricktes von der Mutter oder Großmutter. Wollene Strümpfe, die bis über das  Knie reichten, mussten mit einem Ringgummi festgehalten werden. Aus einem alten Mantel wurden wieder Hosen genäht und ganz aufgetragene Kleidungstücke wurden in Streifen geschnitten, zusammengenäht und zu Fleckerlteppichen verarbeitet. Wir haben nur am Sonntag in die Kirche, zur Schule und im Winter Schuhe getragen. Sonst liefen wir immer barfuß umher, auch in die Maiandacht.
 All die Sachen bekamen wir meist vom Christkindl. Der Nikolaus war nicht gerade spendabel. Die Nüsse und die Kastanien wurden schön ausgezählt und verteilt. Den ersten Anzug bekamen wir zur Erstkommunion. Den mussten wir nach der Kirche sofort ausziehen. So konnten wir wieder bequem Räuber und Gendarm spielen. 
Die Frisur war einfach. Der Kopf wurde kahl geschoren, sodass die Kopfläuse, die man sich von der Schule holen konnte, nicht so leicht mit nach Hause eingeschleppt wurden.

Hebamme 

Paula Perktold geb. Wörle arbeitete viele Jahrzehnte hindurch als Hebamme. Sie hatte den meisten jungen Erdenbürgern im Dorf bei Hausgeburten in die Welt geholfen. Bei einem Jahrgangstreffen hatten wir Frau Perktold eingeladen und sie wusste viel zu erzählen. Bei Dunkelheit, Kälte und Schneetreiben war sie zu den Frauen unterwegs. Da es noch kein Telefon und fast keine Autos gab, mussten die Männer sie erst holen. Durch den Zeitverlust gerieten manche Frauen in kritische Situationen. Sie erzählte, dass sie  bei über  900  Hausgeburten behilflich war, aber eine Frau ist ihr dabei weggestorben. 
Einmal klopfte ein Mann in der Nacht an ihr Schlafzimmerfenster und schrie:“ Paula, Paula, schnell, es geht los!“ und weg war er. Da aber gerade zu dieser Zeit 2 Frauen niederkamen, eine sogar in Obtarrenz, wusste sie nicht, zu welcher sie eilen sollte. So hatte Paula  doch noch rechtzeitig die richtige Frau besucht.
 Meine Mutter erzählte, als sie bei mir im 7. Monat schwanger war, setzten bereits die Geburtswehen ein. So schickte sie sicherheitshalber meinen Vater die gute Frau Perktold zu holen. Als die beiden kamen, war ich der Schnellere, denn ich war schon da. Meine Mutter sagte, ich war so klein, dass ich in einem Bierkrug Platz gehabt hätte. So wurde ich statt beinahe ein "Engelchen" ein aufgewecktes "Bengelchen".  
Ihre letzte Geburtshilfe vor der Pensionierung war die bei meiner Tochter Helene.

Handwerk

Noch einmal zurück zu den 30 iger Jahren. Da gab es Schuster, Schneider, Müller (daher auch viele dieser Familien – oder Hausnamen.) und  Tischler.

Neben den 3 großen Schmieden gab es noch mehrere kleine Nagelschmitten, die die Schuhnägel erzeugten und weit in der Umgebung bekannt waren. Damals wurden die Schuhe vorne an der Spitze mit besonders geformten Nägeln (die Flügler) und die Schuhsohlen mit zahlreichen Schuhnägel verstärkt.

Im Heimatkundeheft stand folgendes Gedicht:

"Torrez isch a schiane Stadt, 
da rinnt dar Boch durch d` Mitte,                                 
wos koane ondere Häuser geit, 
als lauter Nogelschmitte!"

 In der Trujegasse wohnte die Großfamilie Wolf. Der Vater war auch Schmied, deshalb besteht heute noch der Hausname „Schmiedler“. In dieser Familie wuchsen 19 Kinder auf, ja 19 Kinder, alle von einer Frau! Diese kinderreiche  Mutter habe ich noch sehr rüstig erlebt. Sie hat selbst beim Viehmarkt in Imst die kleinen Ferkel aus der Kiste gehoben und zum Verkauf angeboten. Zu diesem Viehmarkt kamen auch die Bauern aus dem Ötztal und aus dem Pitztal zu Fuß und trugen ihre Ferkel oder andere Jungtiere im Rückkorb nach Imst oder nach Hause.

Einer der Söhne der Großfamilie, der Hugo, hat eine Bäckerei angefangen, aber das ging nicht lange gut. Zu viele Leute  holten Brot und konnten es nicht bezahlen. Die Leute konnten auch Brot in den 2 Geschäften kaufen. Da gab es auch noch 2 Frauen, die  in ihren Privathäusern aus Imst angeliefertes Brot verkauften. Man musste an einer kleinen Kuhglocke an ihrem Haus  läuten. Die eine war das „Soffele“ in der hintersten Ecke der Mittergasse, die andere war ein altes Weiblein in der Trujegasse, das nach dem Läuten schwerfällig eine lange Treppe zum Verkaufsraum herunterkam. Sie fragte immer zuerst: „Wem kearsch iez du?“ Auffällig und lustig fanden wir Kinder die kleinen Warzen  in ihrem Gesicht. Von ihr bekamen wir Kinder als Zugabe oft eine kleine Brezel, ein Gipfele oder ein Zuckerle.

Die Tischlerei meines Vaters

Mein Vater, Karl Baumann wurde 1900 geboren und war seit 1924 selbständiger Tischlermeister.
Die Werkstätte hatte er im Parterre in seinem Elternhaus. Da standen zwei Hobelbänke. Auf einer hatte früher ein Geselle gearbeitet. Wir Buben haben damals auch so manches gebastelt  und  unter Aufsicht meines Vater mussten wir  auch Hausaufgaben und Leseübungen in der Werkstatt machen.
Auf dem kleinen Eisenofen musste man immer den Knochenleim im heißen Wasserbad heiß machen, bevor man den Leim verwenden konnte. Eine selbstgebaute Holzdrehbank mit Fußtretantrieb und noch einige andere Handwerkzeuge wurden verwendet. Es war eine Kleintischlerei ganz ohne Maschinen. Das muss man sich einmal, nein, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.
 Da gab es eine Tischlerkarre, eine Plattform mit Schiebebalken mit zwei großen, leichten Holzrädern (Selbstbau).  Ungehobelte, schon händisch zugeschnittene Bretter haben wir auf diese Karre geladen, und schoben sie zu der Wagnerei des Franz Wolf. In seiner Werkstätte hatte er eine mit Wasserkraft betriebene Hobelmaschine. Auf ihr konnte mein Vater die Bretter hobeln, dies bedeutete eine große Erleichterung. Es war aber immer noch eine Schwerarbeit, aus diesen Brettern, schöne massive Möbelstücke aller Art  zu machen. Das waren  Schlaf-, Wohnzimmer und Kücheneinrichtungen, Fußschemel, hölzerne Wassereimer, Bienenstöcke, Spinnräder, Schnapsfässchen,  Fenster und Türen, Jagdschränke, Särge, bis zu den kunstvoll geschnitzten Möbelfüllungen und Haustüren.
 Auch machte mein Vater für unsere kleine Landwirtschaft ein komplettes Fuhrwerk und eine Geräteausstattung. Das war ein Holzwagen mit Holzräder, Holzegge, Pflug, "Gretter" und Jauchentruhe. Der Schmied musste noch die Eisenbeschläge anbringen. Die Kummetgeschirre für die Kühe hat ein "Störsattler" (ein Handwerker, der ins Haus kam) aus Inzing gemacht. Diese Arbeit verrichtete er in unserem Bubenzimmer und während dieser Zeit, schliefen wir am Balkon in einer Nische.
Über das eigene, selbstgebaute  Fuhrwerk freuten wir uns alle sehr.

Später hat mein Vater mehrere  kunstvoll geschnitzte Bauerntruhen hergestellt, die von einigen Touristen auch mit ins Ausland mitgenommen wurden. Eine junge Frau, die Ernie, die als kleines Mädchen mit ihren Eltern nach Australien auswandern musste, kam nach vielen Jahren wieder nach Tarrenz. Sie wollte unbedingt ein Stückchen "Heimat" mit nach Hause nehmen. Und so landete eine geschnitzte Holztruhe nach mehrwöchiger Schiffsreise auch in Australien.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein neues Kriegerdenkmal notwendig. Mein Vater entwarf ein Modell und nach diesem  wurde das neue Kriegerdenkmal um 1948 gebaut.      

Der Jagdschrank mit Jagdmotiven für den Herrn Hofrat.

Karl Baumann mit seiner kunstvoll geschnitzten Holztruhe.

 Die Firmung

Der ältere Bruder meines Vaters war unter anderem auch Jagdaufseher bei Dr. Hofrat Ing. Hans Christian in Niederösterreich. Da mein Onkel schon einige schöne Handarbeiten von meinem Vater  besaß, wurde sein Arbeitgeber aufmerksam und erkundigte sich über die Herkunft. So kam es zu einer Verbindung mit dem Herrn Hofrat und zu einem Großauftrag für einen Jagdgewehrschrank. Über den Entwurf und nachher über die Ausführung war der Mann total begeistert. Der Jagdschrank war zusammenlegbar, wurde gut verpackt und mit der Bahn geliefert.
 Der äußerst zufriedene Hofrat sagte zu meinem Vater:" Herr Baumann, wenn Sie einen Wunsch haben, den ich erfüllen kann, so würde ich es gerne tun." Nach Überlegung sagte mein Vater, dass er schon einen Wunsch hätte, aber es wäre doch vielleicht zuviel verlangt. Da gerade für mich und für meinen Bruder 1938 die Firmung anstand, und wir noch keinen Firmpaten hatten, fragte mein Vater, ob er die Patenschaft für uns Buben übernehmen könnte. Der gute, hohe Herr stimmte sofort zu und versprach,  zur richtigen Zeit mit "Gefolge" mit Gattin und Köchin, einzutreffen.

Aber eine Panne musste noch kurz vor der Firmung aus der Welt geschafft werden. Bei der Firmprüfung einige Tage vor dem Termin, habe ich die Firmungsfragen für den Kooperator nicht gut genug beantworten können. Somit war ich nicht zur Firmung zugelassen. (Vielleicht auch deshalb, weil der Kooperator am Sonntag vom Altar  zu mir heruntergeschimpft hat, da ich ein bisschen schwätzte.) Nun musste mein Vater noch kurz vor dem Firmsonntag mit mir zum Widum zum Herrn Pfarrer, der stellte mir noch eine Frage, und die Firmung war gerettet. (Der Herr Pfarrer war auch schon einige Male über die Holzarbeiten meines Vaters in der Kirche froh.)

Zum  Empfang der hohen Herrschaften aus Niederösterreich wurden wir schon einmal gut vorbereitet. Meine Mutter erklärte uns, es sei üblich, die Gnädige Frau Hofrat nach dem Aussteigen mit einem höflichen Knicks und mit einem Handkuss zu begrüßen. Wir schauten uns an und glaubten, das wäre ein Scherz. .....Nein, nein, so das wollen wir jetzt einmal üben! Unsere Mutter spielte die Gnädige. Bei dieser Probezeremonie steigerten wir uns fast bis zum Lachkrampf. Da der Handkuss etwas tollpatschig wirkte, und wir doch zuviel feuchte Spuren auf dem Handrücken hinterließen, wurde der Handkuss gestrichen. Aber der Knicks beim Händegeben musste sein.

Vor der Ankunft des Herrn Hofrats mit Gefolge mussten wir Buben die Holzböden und die Treppen kehren, wischen und mit Bürste und Seifenwasser schrubben. Nun wurden die Herrschaften mit großer Aufregung erwartet.
 Jetzt kam das Auto, ja das waren sie. Wie elegant wir geknickst haben, weiß ich nicht. Jedenfalls in der Aufregung bekam auch die Köchin ihre Verehrung. Anscheinend gefiel den Frauen die Begrüßung und sie packten aus dem Auto drei selten gesehen schöne Torten aus. Da wir nur mehr Augen für diese Kuchen hatten, wurden wir gefragt, von welchem wir ein Stück gerne hätten. Aber meine Mutter entschied, dass es erst später Kuchen gäbe, denn zu sehr hätte sie uns sauber herausgeputzt.

Für die Fahrt zur Firmung nach Imst wurde das Dach des Autos zurückgeklappt. So ging es einmal im offenen Kabriolett winkend durchs Dorf. Auf der Rückfahrt flatterten noch einige bunte Luftballons im Fahrtwind. Wer konnte damals mit einem solchen Aufwand und so nobel gefirmt werden?  Zu Hause angekommen, überreichte der Herr Hofrat meinem Bruder und mir eine wunderschöne Taschenuhr mit Kette in einer Samtschatulle. Das war für uns ein königliches Geschenk. Die Köchin hatte inzwischen ein feines Mittagessen zubereitet und wir konnten zum gedeckten Tisch sitzen.
 Ehrlich gesagt, an den Bischof mit seiner Firmzeremonie kann ich mich am wenigsten erinnern.
 Die Uhr und die Kette sichtbar zu tragen, war damals nur gestandenen Mannsbilder vorbehalten. So steckte mein Bruder die Uhr in seine Hosentasche, um sie jederzeit herzeigen zu können.  Leider verlor er dieses wertvolle Firmgeschenk nach einiger Zeit oder man sie ihm gestohlen.
 Ich besitze diese Kostbarkeit heute noch, denn sie liegt in einer Schublade. Sie erinnert mich immer noch an das unvergessliche Ereignis der Firmung. 

Das Wikingerschiff

1941 schrieb die Deutsche Kriegsmarine und der NS - Lehrerbund  einen Modellbauwettbewerb unter den Jugendlichen aus, mit dem Titel "Seefahrt ist Not". Da wir damals mit Deutschland vereint waren, bedeutete dieses Schlagwort für den Norden des Reiches viel mehr als für uns Tiroler. 
Unter Anleitung meines Vaters schnitzte ich ein Wikingerschiff. Der Drachenkopf gelang mir erst zum zweiten Mal. Mein Vater meinte, der Drachen sollte schärfer seine Zähne zeigen. Die Schildchen konnte ich auf der Drechselbank drehen. Das Schiff wurde noch mit Schnüren und Segeln bespannt und nach Köln eingeschickt. Ich war sehr überrascht, als ich eine Urkunde zugeschickt bekam, auf der stand, dass ich den Reichssieger - Preis gewonnen hatte. Dazu hatte mir der Großadmiral, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine eine Gratisrundreise durch "Großdeutschland" nach dem Krieg versprochen. Aber wie dieses "Großdeutschland" nachher ausgesehen hat, das wissen wir, und mein Wikingerschiff habe ich nie mehr wieder gesehen. Ich habe mir dann später noch einmal ein solches Schiff nachgebaut.

     "Da bin ich als 14 jähriger doch stolz auf mein Schiff."

Brauerei Starkenberg

Das erste Lastauto mit Vollgummirädern und Kettenantrieb gab es um die 20 iger Jahre in Starkenberg. Mit diesem LKW wurde das Bier in Fässern in das entferntere Ötz- und Pitztal transportiert. In die nähere Umgebung bis Landeck wurde das Bier mit Ochsen- oder Pferdefuhrwerken befördert. Um das Bier zu kühlen wurde im Winter das Eis aus dem Starkenberger See geholt. Große Eisplatten wurden aus der Eisdecke gehebelt, in handliche Brocken zerklopft und im tiefen Keller der Brauerei für den Sommer gelagert. Im Sommer holte man dann aus diesem Eiskeller die Eisbrocken heraus und lieferte sie mit den Bierfässern zum Kühlen mit. Ich kann mich noch gut erinnern, wie bei einem solchen Biertransport das Schmelzwasser  aus dem Wagen auf die Straße triefte.

   

 

Der zweite Weltkrieg  (1939 - 1945)

Bald musste mein Vater zum Wehrdienst einrücken. Da begann für viele Soldatenfrauen - und Mütter eine unsagbar harte Zeit, so auch für meine Mutter. Ich war gerade 14, mein älterer Bruder Rudi bald 16, mein jüngerer Bruder Toni 12 und meine kleine Schwester Rosl gerade 4 Jahre alt. Da mussten wir Buben schon hart anpacken. Mein Vater hatte schon vorher für uns kleinere Sensen gemacht und nun hieß es, zu den Wiesen zu Fuß hingehen und die großen Flächen  mähen. Auf der großen Wiese angekommen, setzte sich meine liebe Mutter nieder und angesichts der bevorstehenden Schwerarbeit,  weinte sie bitterlich. Zuviel Last ist nun zusammengekommen. Wie sollte sie die ganze Arbeit mit vier Kindern ohne Vater alleine bewältigen?

Nur eine kleine Fläche konnte händisch gemäht und anschließend "angerodet" (zerstreut)  werden. Mit einer solchen langsamen Arbeitsweise erstreckte sich die "Grummeternte" über mehrere Wochen bis in den Oktober hinein. Nicht selten war in der Früh der Raureif auf der Wiese. Unzählige Handgriffe mussten gemacht werden, um das Heu in die Scheune zu bringen. Da waren auch noch die Rüben, die Kartoffeln und der Mais zu ernten. Die Jauche und der Mist mussten auf die Wiese gebracht und mit der Mistgabel zerstreut werden. Bei all diesen Arbeiten kam uns unser selbstgebautes Kuhfuhrwerk sehr zugute. 

Für viele Soldatenfrauen - und Mütter, die ihre Männer und Söhne an der Front hatten, war die Situation noch viel schlimmer. Sie mussten ständig mit der Angst leben, eine Nachricht zu erhalten, die meldete: "......gefallen für Führer und Volk!"  

Auch unsere Familie wurde natürlich nicht verschont. Bald musste auch mein älterer Bruder Rudi zum RAD (Reichsarbeitsdienst) einrücken. Das war später eine Vorausbildung zum Militär. Den Stadtburschen wurde beigebracht, wie man mit Spaten und Schaufel arbeitet. Sie haben u. a. die Straße vom Walchenbach nach Strad mit der  Brücke gebaut. Ihr Lager war beim Gelände der heutigen Würth Firma in Dollinger. Die Männer wurden dann abgezogen und sie mussten den Spaten mit dem Gewehr vertauschen. 

17 - 19 jährige Stadtmädchen wurden staatlich verpflichtet, einen Arbeitsdienst als "Maid" bei den Soldatenfrauen in der Landwirtschaft abzuleisten. Sie wurden im Lager Dollinger untergebracht. Sie kamen am Morgen in ihren Arbeitsuniformen auf ihren Fahrrädern zu den Bauersfrauen, halfen bei der Landwirtschaft und im Haushalt, und fuhren am Abend wieder zurück  ins Lager. Meine Mutter sagte: "...jetzt habe ich ein Kind mehr, denn alles musste dem Stadtmädchen erst angelernt werden. Zu viele ungewohnte Arbeiten gab es für sie." Trotzdem war es für viele Bäuerinnen eine Hilfe und für die jungen Mädchen aus der Stadt eine wichtige  Lebenserfahrung.   

Inzwischen  musste auch ich als 17 jähriger Bursche 1944 einrücken. Somit war meine Mutter mit meinem jüngeren Bruder Toni,  meiner kleinen Schwester Rosl  und mit der Maid  aus der Stadt allein. Die Landwirtschaft und zwei alte Leute, meine Großeltern,  mussten versorgt werden. Im Dorf wurde ein Bauer vom Wehrdienst freigestellt. Er hatte den ersten Traktor mit Mähwerk und mähte den ganzen Tag bis spät in den Abend hinein für viel Bäuerinnen, deren Männer an der Front waren.

Die Verwundung

 Nach einer Wehrdienstausbildung in verschiedenen Lagern wurde ich im Frühjahr 1945 mit vielen anderen  
17 jährigen Kameraden an die vorderste Front in der Nähe von  Prinzersdorf bei St. Pölten geschickt. Da sollten wir die Russen aufhalten oder gar zurückjagen. An einem Waldrand setzten wir uns fest. In der Nacht konnten wir aus einer Scheune in der Nähe Essen holen. Da stand eine Kinderbadewanne mit Milchreis. Als ich mich noch tiefer in die Wanne beugte um mit der Hand noch etwas Zuschlag zu ergrapschen, spürte ich einen harten Fußtritt vom Aufpasser.

Ein russischer Spähtrupp musste uns ausgekundschaftet haben, denn am Morgen wurden wir intensiv unter Beschuss genommen. Überall knallte und krachte es. Die Scheune brannte lichterloh.  Ich lief in einer  Talsenke über ein sträuchergesäumtes Bächlein, um in einer Mulde besseren Schutz zu suchen. ... Da ein gewaltiger Schlag! Mich warf es zu Boden! Unweit von mir schlug eine Granate ein. Überall spürte ich brennenden Schmerz. Dreck und Gestrüpp, das die Granate aufgefetzt hatte, flog auf mich und an mir vorbei. Mein erster Gedanke war .... ich lebe! Ich schaute nach, ob ich noch Beine und Hände habe. Einmal hatte mir ein Soldat auf Krücken erzählt, dass er im ersten Schock gar nicht spürte, dass es ihm noch ein halbes Bein weggerissen hatte. Das Blut rann mir über das Gesicht. Als ich den Stahlhelm abnahm, sah ich, dass der mir das Leben gerettet hatte. Ein Granatsplitter durchschlug den Helm und hatte nur mehr die Kopfhaut aufgeritzt.
Mehrere kleine Splitter verletzten mich am ganzen Körper. 
Zwei Kameraden brachten mich zu einer Erstversorgung. Die Kopfwunde wurde freigeschoren und kontrolliert, ob auch der Schädelknochen durchschlagen wurde. Das war zum Glück nicht der Fall. Von da ging es mit einem offenen Lastwagen mit weiteren 20 Verwundeten ca. 35 km weit nach Ybbs a. d. Donau. Diese Fahrt auf dem Laster war sehr schmerzhaft, auch manche anderen Verwundeten schrien und jammerten. Endlich wurden wir auf ein Donauschiff gebracht, damit ging es dann ruhiger stromaufwärts bis nach Linz. Dort wurden erst die schweren Fälle und nach drei Tagen wurde auch ich endlich operiert. 

Dabei ist es mit der Erkennungsmarke eines gerade verstorbenen Kameraden und mit mir zu einer Verwechslung gekommen. In dem großen Durcheinander und bei der Hektik nicht verwunderlich. Am 19. April 1945  erfolgte die Meldung an das Standesamt Linz, dass Ulrich Baumann verstorben sei. 22  Jahre später erkundigte sich das "Schwarze Kreuz" Linz bei der Gemeinde Tarrenz über den "Verstorbenen" und teilte mit, dass das Soldatengrab im Stadtfriedhof Linz lautend auf "Ulrich Baumann"  verwahrlost sei.
 Dadurch wurde erst der Irrtum aufgeklärt, aber welcher Soldat wirklich in diesem Grab liegt, wird man  nie mehr erfahren.     

Nach der Operation wurde ich in ein Barackenlazarett nach Gmunden überstellt. Der Raum war total überfüllt mit 8 Betten und es spielten sich erschütternde Szenen ab. Z.B. ein Verletzter  neben mir  hatte einen Bauchschuss, er litt unter extremen Durst und trank aus einer Wärmeflasche. Er starb neben mir. Infusionen wie heute gab es natürlich nicht.
Vom OP brachte man einen jungen Burschen, der noch ganz benommen vom  Narkoseschlaf  war. Aufwachend jammerte er, dass ihm sein rechtes Bein so schmerzte. Aber gerade dies hatte man ihm vorher abgenommen. Als er das bemerkte, schrie er auf:   "......was soll ich mit einem Bein oder mit einer Prothese auf dem Acker!" 
Mir tat der Junge so leid, dass mir selbst jetzt noch, während ich das niederschreibe, die Tränen in den Augen stehen. Ich stellte mir auch vor, wie traurig der Anblick beim Heimkommen sein muss, wenn der junge Mann einbeinig vor der Tür steht?
Nach und nach stellte sich heraus, dass ich großes Glück hatte, dass keine meiner Verletzungen mir bleibenden Schaden zufügten. Meine Wunden waren fast verheilt aber noch verpflastert. Aber eine Verletzung am rechten Oberarm wollte nicht heilen, da ein Granatsplitter ein Teil vom Knochen absprengte. 
Bei einer Röntgenuntersuchung wurde noch nach vielen Jahren ein erbsengroßer, verkapselter Granatsplitter in der Thoraxwand festgestellt, der mir aber Gott sei Dank keine Schwierigkeiten macht.

 Im Juni 1945 wollte ich auf eigene Verantwortung entlassen werden und endlich nach Hause. Ich bekam einen Soldatenjacke, eine Hose und eine Mütze, die meinen halbgeschorenen Kopf mit Wunde und Pflaster bedeckte.  Die Lazarettbekleidung behielt ich auch noch darunter an.

Das Sammellager

Kaum in Freiheit schnappten mich zwei amerikanische Militärpolizisten der Siegermacht. Nach einer Untersuchung nach Waffen brachten sie mich mit anderen "heimwollenden Soldaten" in ein riesiges Sammellager bei Braunau. Viele Männer in Zivilkleidung, die zur Tarnung einen Rechen, eine Sense, einen kleinen Hund oder sonst was trugen, wurden aufgegriffen und eingesammelt. Statt nach Hause ging es genau an meinem 18. Geburtstag durch ein großes Stacheldrahttor ins Lager. Dort waren auch ehemalige KZ (Konzentrationslager) Insassen und halfen den "Amis" ihre Peiniger, die untergetaucht waren, zu suchen. Schon am Tor gab es die erste Gesichtskontrolle. Nur ein Fingerzeig, eine Ähnlichkeit oder Namensgleichheit mit einem belasteten Funktionär hätte genügt, um in die so genannte "Schwarze Liste" aufgenommen zu werden. Solche Listen wurden , wie ich später herausbekommen habe, aus dem ganzen Land angeliefert. Das brauchte Zeit, darum diese  lange dauernden Rückhaltelager. Da wurden hohe Offiziere und Bosse der Nazipartei gesucht und herausgefiltert.

Ja, da standen wir Neuankömmlinge nun. Als erstes kamen ein paar abgemagerte, bärtige Gestalten auf uns zu und fragten, ob wir nicht ein paar Zigaretten hätten.  Ich war nun ein Gefangener, einer der Tausenden ehemaligen Soldaten hinter einem 4 m hohen Stacheldrahtzaun. Hinter einer Sicherheitszone von etwa 5 m  umgab, lagerseits,  noch einmal ein einfacher Stacheldraht, der auf circa 4m entfernten Pflöcken befestigt war, das Lager. In dieser Abstandszone war noch grüne Wiese mit Grasbewuchs. Wachtürme und Wachsoldaten standen bereit und ein Maschinengewehr  war gut sichtbar aufgebaut, um einer evt. Massenrevolte vorzubeugen.

Hier im Lager war jeder auf sich allein gestellt. Ich musste mir zuerst mal einen Platz zum Hinliegen suchen. Auf einer Seite standen einige Baracken, die erwartungsgemäß total überfüllt waren. Auch auf den Gängen wurde ich weitergejagt, als ich versuchte, doch noch einen Platz einnehmen zu können. Nun versuchte ich im Freien einen Platz zu finden. Da die Baracken auf abfallendem Gelände standen, ergaben sich darunter neben den Sockeln einige trockene Lagerplätze. Die waren aber auch schon alle besetzt. Ich kroch weiter nach hinten. Wo der Platz nur mehr 50 cm hoch war, konnte ich mich niederlassen. Jetzt brauchte ich noch eine Unterlage. Da fiel mir das Gras in der Abstandszone ein. Ich langte mit der Hand durch den Zaun und wollte einen Büschel Gras abrupfen. Da hörte ich ein Geschrei .........schnell weg, sonst bist du hin! Der Wachposten auf dem Wachturm hatte schon das Gewehr auf mich angelegt. Ich wusste nicht, dass die Sperrzone so streng bewacht  und ohne Warnung auf jeden geschossen wurde.

So hatte ich noch Glück gehabt, und den Grasbüschel nahm ich zum Trocknen mit in meinen "Fuchsbau". Das bisschen Heu, etwas Erde und meine Mütze war mein Kopfpolster und meine Soldatenjacke die Unterlage oder nach Bedarf auch gleichzeitig  die Decke.

Einmal am Tag gab es einen Schöpfer Suppe.  Ein lautes "Geschepper"  signalisierte die Suppenausgabe, die unter strenger Aufsicht vor sich ging. Alle Gefangenen mussten sich mit einer Dose oder einem anderen Gefäß anstellen. Ich besaß zuerst  nur eine schmale leere Dose, und so ging die Hälfte der wertvollen Suppe daneben. Ich konnte mir nur noch die Finger abschlecken. Ich organisierte mir eine größere Dose für Suppe, Kaffee und Trinkwasser. 
Pro Mann gab es täglich noch eine dünne Scheibe Brot und schwarzen Kaffee. Dabei versuchte jeder noch zusätzlich etwas  Kaffeesatz vom Kesselboden zu ergattern. Der Feigenkaffeesatz war immerhin etwas feste Substanz zum Magenfüllen.
 Das ganze Brot für das Lager wurde unter strenger Bewachung in großen Jutesäcken angeliefert. Mit der Zeit sammelten sich am Sackboden eine Menge Brotkrumen stark vermischt mit den Fasern vom Jutesack. Wir Jugendliche bekamen oft noch als Sonderzulage eine Handvoll dieser Mischung in die dünne Suppe. So ein leerer Sack als Liegeunterlage hätte mir schon gut gefallen. Aber das Risiko für einen missglückten Griff, vielleicht Hiebe auf meine noch unverheilten Wunden zu bekommen, wollte ich doch nicht eingehen.
Inzwischen gewöhnte ich mich an meinen Schlafplatz und war froh, bei der Hitze im Hochsommer ein schattiges Plätzchen zu haben. Denn die meisten anderen waren einfach der prallen Sonne oder dem Regen  ausgeliefert.

Durch einen Teil des Lagers floss langsam ein etwa 20 cm tiefer und 3 m breiter  Bach. Der obere Teil dieses Gewässers wurde als Trinkwasser verwendet und weiter unten durfte das Wasser zum Waschen und Baden genutzt werden. Etwas abseits im Lager im freien Feld waren lange schmale Gräben, die Latrinen. Es war vielleicht nur alle 4 - 5 Tage notwendig, diese Toilettenrinne für das "große Geschäft" aufzusuchen. 
Wir litten alle unter ständigem Hunger und so gab es fast nichts zum Verdauen. Deshalb war das Gesprächsthema Nr. 1 ständig über ein Traumessen. Interessant dabei war, dass  immer eher über Mehlspeisen wie Kaiserschmarren, Apfelstrudel, Milchreis mit Apfelmus gesprochen wurde. Einen fetten Schweinebraten hätte zu dieser Zeit der auf Sparflamme eingestellte Magen wahrscheinlich gar nicht verkraftet.
Zum Waschen und Kleiderwaschen waren alle nackt. Niemand hatte Wechselkleidung. Zum Glück war es Sommer und wir konnten die Kleidung trocknen lassen und wieder anziehen. Da sah man, wie abgemagert die Männer waren.
Einmal kam ein Mann zum Bach, der körperlich noch recht gut beisammen war. "Was hat der für eine komische Badehose an"? dachte ich im ersten Moment. Aber das war ein  großer Hautlappen der vom Bauch so halbrund bis zu den Oberschenkeln  runterhing. Das muss wohl ein wohlhabender Mann mit einem sehr großen Bauch gewesen sein, der nun auch eine unfreiwillige Abmagerungskur hinter sich hatte. Da gab es auch noch andere "Lappenträger" aber mit kleinerem Format.

Durch die Unterversorgung war der Körper so geschwächt, dass wir nur in Etappen aus dem Liegen aufstehen konnten. Erst wenn sich der schwarze Vorhang vor den Augen wieder etwas gelichtet hatte, konnte man etwas höher gehen, sonst hätte man das Gleichgewicht verloren. Nicht nur mir ging das so und manche kamen überhaupt nicht mehr hoch. Diese Patienten wurden in ein großes Zelt gebracht und extra versorgt. Ab und zu hörte man verzweifelte Protestschreie  durchs Lager rufen ........die sollen uns vergasen oder erschießen, aber nicht elendig verhungern lassen!   "......da dreht wieder mal einer durch," hörte ich nebenan.
Die starken Raucher traf es doppelt, die litten auch noch unter Entzugserscheinungen.

2 -3 mal flogen bei Übungsflügen  amerikanische Kampfjets  aus großer Höhe auf uns herab und brausten mit gewaltigen Getöse nur 20 m über unsere Köpfe hinweg. Die Piloten schienen sich einen Spaß daraus zu machen, zu zeigen, dass nun sie die  "Herren" sind. 

Einmal knallte ein Schuss vom Wachturm, bald darauf noch einer. Was war geschehen? Ein marokkanischer Wachsoldat hatte einfach so aus Jux oder Langeweile eine Amsel vom Zaun geschossen. Einer von den Gefangenen wollte darauf den toten Vogel aus der Sperrzone herausholen, um ihn in der Feldküche zu braten. Dann wieder ein Schuss und der Mann wurde mit einer Kugel vom Wachsoldaten niedergestreckt. Der Mann lag noch mehrere Stunden zur Abschreckung am Zaun. Erst am Abend kamen 2 Marokkaner mit einem Jeep. Mit einer Stange hob der eine von außen den Stacheldraht hoch, während der andere den Toten herauszog. Wie ein Stück Holz wurde er  auf einen Jeep geworfen und abtransportiert. Uns hat dieses dramatische Erlebnis sehr berührt und es wurde mir bewusst, wie wenig ein Menschenleben zählte und wie sinnlos und unnötig noch nach Kriegsende getötet wurde. 

Ende der 3. Woche des Hungerns und voller Erniedrigungen wurde ich in einen Raum gebracht. Ein deutschsprechender Siegeroffizier verhörte mich gründlich über Partei, Kampfeinsatz, Einheit und vieles mehr. Ich sagte, dass ich aus dem Lazarett kam und noch unverheilte Wunden hatte. Diese musste ich ihm zeigen. Da war das Verhör beendet. Nun erhielt  ich sofort frische Pflaster, (denn die Wunden waren zu lange Zeit unversorgt) und einen Lagerstempel auf den Handrücken. Ein "Halbschwarzer" brachte mich zum Tor, ein Wink zur Wache, und .......... draußen war ich. 

Die Heimkehr

Ich schaffte gerade noch die 3 km zum Bahnhof. Auf einer Bank saßen 2 Frauen mit einem kleinen Kind. Das Kind alberte mit der Mutter und lachte dabei herzhaft. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich seit vielen Monaten kein lachendes Kind mehr gesehen hatte.
 Ich muss erbärmlich ausgesehen haben, bis zu den Knochen abgemagert und mit schmutzigen Kleidern. Die beiden Frauen fragten mich, ob ich aus dem Lager käme, wohin ich wollte und ob ich schon etwas gegessen hätte. Die Frauen wohnten in der Nähe und luden mich zu einer warmen Suppe mit Brot ein. Danach brachten sie mich zum Zug nach Innsbruck. Fahrkarte brauchte ich keine. Ich bedankte mich sehr und nun ging es der Heimat zu. In Innsbruck musste ich umsteigen und auf dem Bahnsteig traf ich ganz zufällig meinen jüngeren Bruder Toni. Die Freude war groß. Auf der Fahrt nach Imst erzählte er mir, dass man von unserem Vater und vom älteren Bruder Rudi noch nichts gehört hatte und unsere Mutter um uns drei schon sehr besorgt war. Zu Hause angekommen, konnte es mein Bruder kaum erwarten und lief voraus und schrie: "Mama, schau, wen ich da mitbringe!" Wir stürmten aufeinander zu, weinend vor Freude konnte meine Mutter immer nur sagen: ".......wenigstens einer, wenigstens einer von den dreien  ist daheim!" 

Als ich bereits einen Tag zu Hause war, kam der Briefträger zu mir. Er überreichte mir ein Schreiben und sagte: "Ulrich, du bist der einzige und der erste, dem ich nun die eigene Todesnachricht überreiche......Auf dem Postamt ist vor einiger Zeit dieses Schreiben mit deiner Todesmeldung aus Linz eingetroffen . Aber ich hatte einfach das Gefühl und eine gewisse Eingebung, dass mit dieser Nachricht etwas nicht stimmte, wollte es  nicht glauben und wollte diese Meldung auch nicht deiner Mutter bringen!" 
So ließ der Briefträger diese schreckliche Nachricht abwartend liegen. Über meine Heimkehr freute er sich sehr, auch über seine bestätigte Eingebung. Somit hatte er meiner sowieso geplagten Mutter ungeheuerliches Leid erspart.
Diesem Briefträger war meine Mutter ihr Leben lang dankbar.

Erst 8 Monate nach Kriegsende, am 26. 1. 1946 kam unser lieber Vater nach endlosen 3 Jahren aus Krieg und Gefangenschaft nach Hause. Er musste in Frankreich in einer Tischlerei arbeiten. Insgesamt war er über 5 Jahre von seiner Familie getrennt. Dieses Wiedersehen war unvergesslich. Er schaute um sich und fragte, wo der Rudi ist. Eine Antwort konnte niemand aussprechen, zu tief greifend war die Frage. Ein leichtes Kopfschütteln genügte und auch er wusste Bescheid. Wir hofften noch viele Monate auf die Rückkehr von Rudi. Meine Mutter hatte oft für uns gebetet, nun galten die Gebete besonders dem Vermissten, ob lebend oder tot. Nach etwa 2 Jahren stand auch sein Name auf der Vermisstenliste des II. Weltkrieges mit 63 anderen Männern und Burschen aus Tarrenz. 


Im I. Weltkrieg von 1914 -1918 waren es 43, die in fremder Erde geblieben sind. Das sind insgesamt 106 Väter und Söhne, die in beiden Kriegen innerhalb von 31 Jahren aus unserer Gemeinde ihr Leben lassen mussten. 
106  Tote, was hinter dieser trockenen Zahl an Verzicht, Hoffen, Bangen, Blut, Tränen und Verzweiflung steckt, vermag niemand zu beschreiben. Ganz junge Burschen, fast noch Kinder, haben sterbend nach ihrer Mutter gerufen. An beiden Seiten, bei denen an der Front und zu Hause, war das Leid unbeschreiblich. 

 

Baumann Ulrich´s  weiteres Leben nach der Heimkehr aus  dem II. Weltkrieg 1945:

Nach dem Krieg wieder zu Hause und  nach einer kurzen Erholungspause meldete ich mich wieder bei meiner Baufirma Robert Wörle. Der gute Mann war inzwischen verstorben. Unter neuer Bauleitung von Ing. Haflat wurden wir als kleiner Bautrupp in die Imsterau beordert. Dort wurden in den letzten Kriegstagen noch einige Häuser schwer beschädigt oder gar abgebrannt. Die große Landmaschinen-
Firma Steiner in Innsbruck hatte wegen der großen Bombengefahr in der Stadt lange vorher viele Maschinen in eine große Scheune nach Imsterau zur Sicherheit gebracht. Aber genau auch dort wurde alles vom Feuer vernichtet.
In den weiteren Jahren war ich auf zahlreichen Baustellen von der Fernpasshotelruine bis Obergurgl im Ötztal beschäftigt. Meistens war ich mit dem Moped unterwegs. Außer einmal mussten wir zu Fuß durch den Wald im Schnee zu den Linserhöfen eine ¾ Stunde hinaufgehen. Dort durchnässt und schon müde angekommen, standen wir vor einer eingeschneiten Baustelle. Dort wünschte ich mir schon auch eine warme Werkstättenarbeit. Da aber mein älterer Bruder Rudi sich schon vorher für die Tischlerei  meines Vater entschlossen hatte, und wir ihn als Heimkehrer erwarteten, blieb ich im Baugewerbe.
Ab 15. 2.1961 bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1988 arbeitete ich fast 27 Jahre lang im SOS – Kinderdorf in Imst als Dorfmeister.

Auszug aus dem Jubiläumsbuch zur 40 - Jahr Feier  (Kinderleben    SOS – KINDERDORF IMST  1949 – 1989) 

Meine Dienstzeit im Kinderdorf Imst

Ulrich Baumann, ein pensionierter Dorfmeister berichtet:
Als ich im Jänner 1961 nach einer Stellenausschreibung für einen Dorfmeister im Kinderdorf beworben habe, arbeitete ich im Baugewerbe  als Maurer. In der Winterszeit hatte ich die Möglichkeit, in der kleinen Dorftischlerei meines Vaters mir verschiedene handwerkliche Kenntnisse anzueignen. Natürlich kam mir dies im Kinderdorf sehr zugute. Mir tat sich damals beim Einstand ein sehr großes, vielfältiges und abwechslungsreiches  Arbeitsfeld auf – ein ganzes Dorf mit damals 18 Häusern, im hügeligen Gelände, steilen, unasphaltierten Wegen, die immer wieder vom Regen ausgespült wurden. Die Wiesen sollten alle von Hand jährlich mehrmals gemäht werden. Um die Wegränder, Brunnen und Spielplätze sauber zu halten, mussten auch die großen Buben öfters mithelfen. Allerdings waren dabei die Besen, Rechen und Schaufeln mehr in der Luft als am Boden. Schubkarren wurden als Rennfahrzeuge mit Besatzung über Stock und Stein gefahren. Dass beim Bänkestreichen die Farbe manchmal auch anderswo war, sei nur nebenbei erwähnt. Beim Hecken- und Holzschneiden war die die Ausdauer der Buben schon sehr auf die Probe gestellt. Ein andermal wurde  mit der Handsäge auch gleich der Sägebock mitzersägt und bei mir die Meldung gemacht: "Wir sind schon fertig!"
Zersprungene Fensterscheiben aus dem Rahmen zu schlagen um neue einzusetzen, war eine besonders beliebte Tätigkeit. Da kam es schon vor, dass aus Übereifer die danebenliegende ganze Scheibe auch in Scherben ging. Als ein Fassadenwand zur Gänze mit einem schmutzignassen Fußball "gestempelt" wurde, erinnerte ich mich auch an meine eigene Lausbubenzeit. Im allgemeinen zeigten die Buben fürs handwerkliche Geschehen in der Werkstätte Interesse. Da gäbe es Arbeiten aller Art an Haushalts-, Spiel- Sportgeräten. Dauernd gab es an Fahrrädern und Rollern  etwas zu reparieren, welche die Burschen meist unter meiner Anleitung selbst wieder instand setzten. Arbeiten, wo es etwas zu bohren, schrauben, oder zu leimen gab, z.B. an Rodeln, machte ihnen besonderen Spaß. Da war es sicher möglich, dass bei manchen Buben  durch diese Arbeitsanregungen der Funke für einen späteren Beruf gelegt worden  ist.  Besonders freute ich mich immer wieder, wenn später diese dem Kinderdorf entwachsenen Menschen mich als tüchtige Maler, Schlosser, Tischler, Mechaniker, Elektriker, Glaser oder Gärtner in der Werkstätte besucht haben. Natürlich gab es bei so vielen auch solche, die sich im Leben schwer taten.
Da das Kinderdorf Imst als erstes und in der Nachkriegszeit mit bescheidenen  Mitteln gebaut wurde, gab es an den Häusern immer wieder etwas zu erneuern, aus – oder dazuzubauen.
Die Kinder von fünf Familien hatten ihre Badegelegenheiten im Gemeindehauskeller. Sie bekamen durch Erweiterung ein eigenes Bad ins Haus, auch eine größere Küche und Zimmer. Weiters wurden zwei neue Häuser und das Mütterhaus gebaut. Ein neuer Sportplatz wurde angelegt. Wichtig waren die Telefonanschlüsse. Dafür durch das ganze Dorf im steinigen und verwurzelten Waldboden das Kabel einzugraben, war schon ein hartes Stück Arbeit. Zahllose Erneuerungen könnte man noch anführen. 
In meiner 26 jährigen Dienstzeit im Kinderdorf konnte ich immer wieder mit Bewunderung sehen, wie sich die Kinderdorfmütter jederzeit für ihre Kinder einsetzten. Besonders gebührt auch den jungen Müttern, welche aus einer Wohlstandszeit heraus  sich für diesen verantwortungsvollen, schönen, aber schwierigen Beruf entschlossen haben,  besondere Anerkennung.

Ich wünsche all diesen und auch den anderen Mitarbeitern alles Gute, Kraft und Freude, am großartigen, weltweiten Werk "Kinderdorf" ihr Bestes zu geben.
Wegen der netten Gemeinschaft denke ich noch gerne an die Zeit meiner Tätigkeit im SOS – Kinderdorf Imst zurück.

                                                                 Ulrich Baumann,  1989

Die Haus – Chronik vom Haus im Kappenzipfl 25, Tarrenz.

Dafür gibt es Dokumente von Anfang an. Aus mündlicher Überlieferung meiner Vorfahren hat der Erbauer dieses Hauses dem Vorbesitzer dieses Grundstückes ein Angebot gemacht. Er könnte sich dann im Haus eine Werkstätte einrichten und seine kleine Fassbinderei aus einem kleinen Holzschuppen in das Haus verlegen. So geschah es auch. Einmal machte er ein Fass, das als es fertig war, nicht mehr durch die Tür passte. So hackte der Fassbinder einfach vom Türstock links und rechts eine Mulde heraus, sodass dann das Werkstück  herausgebracht werden konnte. Diesen Türstock mit den besagten Kerben habe ich 1943 unter anderem mitsamt der Tür ausgewechselt. Als meine Eltern dieses Haus 1929 von Otto Sturm geerbt hatten, sah es wie auf dem alten Foto aus. Im Parterre war eben diese ehemalige längst aufgelassene Werkstätte. Da schliefen dann wir 3 Buben. Im Winter bildeten sich Eiskristalle auf den Außenwänden. Im Sommer schliefen wir auf dem Balkon, den unser Vater 1930 vorgebaut hatte. In der unteren abgeschalten Ecke hatten wir unser Strohsacklager.

Die alte Selchküche 

Im ersten Stock war  nur eine kleine Küche mit einem Holzherd mit Eisenringen. Diese hatte ein  rußgeschwärztes Gewölbe, weil sie auch  vor 1915  als Selchküche  genutzt wurde. Die Würste, der Speck und das Fleisch aus der eigenen Hausschlachtung wurden in dieser Küche geselcht. Der Rauch wurde zu einem riesigen Kamin geleitet.
Dieser Kamin hatte im Dachboden für den Schornsteinfeger  eine Einsteigtür. Solche Kamine waren im Dorf noch öfters im Gebrauch. Der Kaminkehrer musste in das Innere des Kamines einsteigen, sich  mit ledergepolstertem Rücken, Ellbogen und Knie anstemmen, und den Rauchzug von oben nach unten abkratzen. Eine dreckigere, schwärzere und gefährlichere Arbeit kann man sich kaum vorstellen. Vom schwarzen Gesicht des Kaminers sah man nur das Weiß der Augen und die Zähne beim Sprechen.
Südseitig war das Zimmer meiner Oma vaterseits. Als diese Frau 1952 mit 91 Jahren starb, habe ich die Zwischenmauer herausgenommen und so die Küche um 2/3  vergrößert. Das Abtragen dieses Kamins, des Gewölbes und der dicken Zwischenmauer war ein aufwändige und schwierige Arbeit, davon man heute keine Ahnung mehr hat. Nun konnten wir auch bis zu 10 Personen in der Küche essen. Vorher musste das Essen in die Stube getragen werden. Dort stand ein großer Tisch, die Betten meiner Eltern und der Schreibtisch als Büro meines Vaters.  

Der Stall

Im Stall hatten wir 2 Kühe,  ein Jungtier, fast immer 2 Schweine, über dem Schweinestalle ein Verschlag für 10 –15 Hennen,  im Nebenraum 6-8 Schafe. Die Tiere wurden mit Holzeimern, die mein Vater gemacht hatte, getränkt. Plastikeimer gab es noch nicht. Der Mist musste täglich mit einer großen Holzschubkarre durch den Hausgang heraus gebracht werden. Dazu wurde über die 3 flachen Stufen ein Brett gelegt. Da ist es auch schon vorgekommen, dass ich  bei zu voller Ladung beim Anschieben über diese Steigung ausrutschte, und mit dem Gesicht im Mist landete.
Die Jauchengrube im Stall war viel zu klein. Diese wurde öfters von Hand mit einem Stielschöpfer ca. 6 –8 Liter über einen Trichter ausgeschöpft. Die weitere Verbindung ging durch die Waschküche in ein Blechrohr. Dieses wurde  an zwei an der Mauer vorstehende Stutzen bei Gebrauch eingesetzt  und wieder abgenommen.
Einmal stand unter diesem Jauchestutzen der Holzzuber mit eingepökeltem Fleisch und Speck. Unser damaliger Knecht Scheidle Karl vergaß das Blechrohr anzuschließen und so ergoss sich die Jauche in den Fleischzuber. Das war dann richtiges "Surfleisch" und ein Jahreskatastrophe.

Das Bad

Mein Vater hatte mit viel Mühe für die Waschküche einen Abfluss zum Bach geschaffen. Bis dahin musste das Überwasser hinausgetragen werden, so auch das Badewasser aus dem Holzzuber.  Mein Vater betonierte einen Trog mit Abfluss zum Bach. Aber der Beton war zu kalt und wenn das Wasser noch so heiß vom Waschkessel eingefüllt wurde, das Wasser kühlte sofort wieder ab. Die Hoffnung auf ein warmes, gutes Bad endete mit einer Enttäuschung. Nur der Abfluss brachte Erleichterung. Denn alle Abwässer konnten nun über den Trog entsorgt werden.
In der vergrößerten,  neuen Küche im 1. Stock gab es nun mehr Platz. So konnte eine vom Spengler gemachte Blechbadewanne   angeschafft und aufgestellt werden. Das Badewasser wurde im Holzherd und in der Waschküche erwärmt und  in die Blechwanne geschüttet. Da haben dann alle in der warmen Küche  im gleichen Wasser gebadet.  Danach wurde das Badewasser ausgeschöpft und in die Abwasch entleert. Die tragbare Wanne konnte wieder weggebracht werden.
In der unteren Stube hatte man um 1932 einen Backofen kombiniert auch als Heizofen mauern lassen. Da aber durch den Aufbau die Hitze falsch verteilt war, wurde das Brot nicht gleichmäßig gebacken. Das Brot war unten teigig, in der Mitte hohl und oben bildete sich eine harte Kruste. Diesen Backofen habe ich dann später herausgerissen und an dieser Stelle einen Selchraum gebaut, der heute noch besteht aber nicht mehr gebraucht wird.

Geheimnisvoll verschlossener Raum?

So um 1932,  ich war 5 –6 Jahre alt,  gab es im Winter eine Zeit, da durften wir Buben überhaupt nicht in die Waschküche. Die Türe war immer fest verschlossen und dahinter wurde geheimnisvoll gewerkelt. Um dem auf die Spur zu kommen, spähten wir durch ein kleines Astloch in der Tür. Aber auch da konnten wir nicht erkennen, was da hinter verschlossener Tür vor sich ging. Erst viel später erfuhren wir, dass damals mein Vater mit seinem Tischlergeselle verbotenerweise Schnaps gebrannt hatte. Das Selberbrennen von Schnaps hätte bei Finanzamt gemeldet werden müssen. Dies wäre mit hohen Auflagen und Steuern belegt worden. Da durfte natürlich durch uns Buben nichts an die Öffentlichkeit kommen. Mein Vater besaß zum Brennen keinen speziellen Kupferkessel, so verwendete er den Waschkessel. Der hielt aber diese Prozedur auf Dauer nicht aus und wurde kaputt. Meine Mama jammerte und meinte, dass man mit dem Geld, das ein neuer Waschkessel gekostet hat, genug Schnaps ohne Arbeit und Furcht hätte kaufen können. Aber wahrscheinlich war da auch der Reiz des Verbotenen im Spiel.

Schafe hüten

Um 1935 musste ich als 8 jähriger Bub mit meinem Bruder die Schafe auf die Weide treiben. Nicht etwa auf die Wiese, sondern in die Waldlichtungen beim Walchenbach. Unter den Nadelbäumen lagen viele "Totschlen" also die dürren Fichten- und Föhrenzapfen. Diese waren eine gute Anfeuerungshilfe im Holzherd, deshalb war Schafe hüten und nebenbei "Totschlen" sammeln  unser Auftrag. Also wenn man sich das mal für heutige Verhältnisse so vorstellt – 2 Buben 8 und 9 Jahre alt,  mit 10 Schafen und einem kleinen Ziehwägelchen auf der Fernpassstraße unterwegs. Aber damals war eben noch  fast kein Autoverkehr. Am Nachmittag hatten wir bereits 2 Kartoffelsäcke voll mit der Zapfensammlung geladen. Nun wollten wir auch etwas Spaß haben und spannten 2 männliche  Schafe mit Stricken vor das Holzwägelchen. Da es auf der damals schon asphaltierten Straße gleich etwas abwärts ging, geriet die ganze Schafherde und das Gespann in Galopp. Wir Buben hatten Mühe hinterherzulaufen. Der zweite Sack lag obenauf und war nicht richtig zugebunden. Er ging auf und die mühsam gesammelten Holzfrüchte ergossen sich schön verteilt auf die Straße entlang. Bis wir die Herde bei der nächsten Steigung bremsen konnten, lag die Bescherung schon hinter uns. Der Straßenreiniger, der täglich die Kuh-, Pferde- und Ochsenhinterlassenschaften wegräumen musste, wird sich über die neue Variante der Verschmutzung gewundert haben. Zuhause mussten wir erklären, warum wir nicht den Sack voll gesammelt hätten. Dass wir die Ladung verloren haben,  wurde uns nicht geglaubt, war aber die Tatsache.
Womit wir nicht gerechnet hatten, gab es damals schon kritische "Tierschützer" die das "Schafeeinspannen" zufällig beobachteten.  Die haben das gleich in der Schule dem Lehrer gemeldet und wir bekamen eine Verwarnung. Wir mussten noch öfters Schafe hüten und Zapfen sammeln, aber es gab kein Schafgespann mehr.

Fotografieren

Mein Vater, Karl Baumann,  besaß einen der ersten Fotoapparate im Dorf. Dieses große Stück musste immer auf ein Dreifußstativ aufgebaut werden. Da wurde erst eine postkartengroße Glasmattscheibe eingeschoben . Diese diente als Sucher für das zu fotografierende Objekt. Alles wurde unter einem schwarzen Tuch abgedeckt, dazu schien alles auf dem Kopf zu stehen, nun wurde eingestellt. Erst dann wurde die licht-empfindliche Glasplatte eingeschoben und die schützende Hülle herausgenommen. Die Belichtungszeit war nur 1/25 sek. Damit konnten keine freihändigen oder gar Sportfotos gemacht werden. Um bei der Auslösung nichts zu verwackeln, wurde die Kamera mit einem sogenannten Knipserdraht verbunden und etwas abseits getätigt. Er hat viele seiner Werkstücke selbst fotografiert und entwickelt.
Viele Leute kamen am Sonntag nach dem Kirchgang,  mit Familien  schön angezogen, um ein Familienfoto machen zu lassen. Das ganze Aufstellen  dauerte oft bis zu einer halben Stunde. Bei uns in der Waschküche  war das Entwicklungslabor eingerichtet. Dies zu beschreiben, würde eine weitere Seite füllen. Es ist viel einfacher und leichter, die schönen Aufnahmen und Werke meines Vaters anzuschauen und zu bewundern.

Der hölzerne Schneepflug

Im Winter zog ein Lastwagen einen langen, keilförmigen mit Eisen beschlagenen  Holzschneepflug hinter sich her. Bei Gegenverkehr , den es damals besonders im Winter fast nicht gab, musste angehalten, der Pflug eingeklappt und nachher wieder ausgeschoben werden. Dazu musste das Lastauto nur ein kleines Stück zurückstoßen. Einige Männer mussten das Gefährt begleiten. War zuviel Schnee, sodass der mit Schneekettenräder ausgestattete Lastwagen es nicht mehr schaffte, wurde die Breite des Schneepfluges einfach über einen verstellbaren Spreizbalken verengt. Die engere Spur musste dann für den im Winter schwachen Verkehr reichen.

 

Liebe junge Leser,

bedenkt, dass wir bereits 57 Jahre Frieden in unserem wunderschönen Land haben, um das uns viele beneiden. Es ist euch viel Schlimmes erspart geblieben, das eure Groß - und Urgroßeltern während der Weltkriege erleben mussten. Fragt sie selber, solange ihr noch könnt.

Lasst euch auch von den gewaltigen technischen Veränderungen und den verbesserten Lebensbedingungen erzählen, die im 20. Jahrhundert geschehen sind. Dass dieses Erlebte nicht verloren geht, solltet ihr es auch euren Kindern weitererzählen. So kann  auch die nächste Generation darüber nachdenken und ein besseres Leben schätzen.

Durch meine Erzählungen  könnt ihr euch als die nachkommenden Generationen vielleicht ein besseres Bild über das Leben in  den früheren Zeiten machen. Ihr jungen Leute solltet es zu schätzen wissen, in einer offeneren, freieren Gesellschaft und Zeit geboren zu sein Und was die körperliche Arbeit betrifft, leben wir heute in einer unvergleichlich besseren Zeit. Ihr solltet bitte aber dabei nicht vergessen, dass es eure Vorfahren waren, die euch zu dem heutigen Wohlstand verholfen haben. 

Ich danke  allen, die meine Erzählungen gelesen haben und wünsche euch allen Gesundheit und vor allem Frieden und Zufriedenheit.

Ich bedanke mich auch bei allen älteren Dorfbewohnern, die  mir mit ihren wertvollen Informationen geholfen haben, meine Erzählungen zu erweitern und zu ergänzen. Vielleicht wissen noch mehrere Leute interessante Geschichten, die wir hier so weitererzählen könnten.

                    

       Ulrich Baumann
         Tarrenz,  im  November 2002

                                                                                                                                      

Copyright:   Interessierte dürfen gerne diese Erzählungen für den privaten Gebrauch kopieren.